Dienstag, 09.06.2026

Wiesbadens Gedenkstätte Unter den Eichen wiedereröffnet und um ein Opferbild ergänzt

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Nach rund drei Jahren Schließzeit ist die Gedenkstätte Unter den Eichen am Dienstag, 12. Mai, wiedereröffnet worden. Die Eröffnungsveranstaltung fand wegen schlechten Wetters in Räumen der Hochschule RheinMain statt. Die Dauerausstellung wurde überarbeitet und enthält künftig auch das Porträt eines bislang nicht abgebildeten Opfers des Bombenangriffs vom 18. Dezember 1944.

Ort und historische Einordnung

Das heutige Campusgelände Unter den Eichen war während des Zweiten Weltkriegs Standort eines Außenlagers. Es wurde am 20. März 1944 eingerichtet, als die SS zunächst 57 Männer aus dem SS Sonderlager KZ Hinzert anforderte. Ein weiterer Transport brachte im September 19 weitere Häftlinge. In Spitzenzeiten waren dort rund 100 Menschen interniert, vorwiegend aus Luxemburg, aber auch aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden.

Die Inhaftierten wurden zur Zwangsarbeit eingesetzt und mussten unter anderem einen Bunker unter dem Reit und Turnierplatz bauen. Dieser Bunker ist heute das letzte erhaltene bauliche Zeugnis des Wiesbadener Außenlagers. Die SS hatte das Gelände zudem als Ausweichstelle für Diensträume genutzt, weil man sich am Stadtrand besseren Schutz vor alliierten Luftangriffen erhoffte.

Inhaltliche Ausrichtung der neuen Dauerausstellung

Die überarbeitete Ausstellung stellt das Gedenken an die Häftlinge in den Mittelpunkt und ordnet zugleich das oberhalb gelegene Areal historisch ein. Für die Konzeptentwicklung und Forschung zog das Stadtarchiv umfangreiche Interviews mit Überlebenden heran. Diese Zeitzeugenberichte lieferten wesentliche Erkenntnisse über Lageralltag und Häftlingsgemeinschaft und flossen in die Gestaltung der Schau ein.

Ein zentraler Bestandteil der Schau sind Porträts und Kurzbiografien der Todesopfer. Kurz nach der Wiedereröffnung erreichte das Stadtarchiv der Hinweis aus Luxemburg, dass eine Fachorganisation ein Foto von Alphonse Weber besitzt. Der 26 Jahre alte Weber war bei dem Bombenangriff auf das Lager am 18. Dezember 1944 getötet worden. Das Bild wird in den kommenden Wochen in die Ausstellung aufgenommen, eine entsprechende Tafel befindet sich in der Gestaltung.

Reaktionen und Erinnerungsauftrag

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kultur betonten bei der Gedenkstunde die Bedeutung historischer Orte für Gegenwart und Erinnerung. Die Hochschulkanzlerin Dr. Tina Klug unterstrich das Engagement der Hochschule bei der Wiedereröffnung, da sich der Campus auf dem ehemaligen Lagergelände befindet.

Die luxemburgische Botschafterin Sylvie Lucas beschrieb den Lageralltag als Verlust jeglicher Vorstellung von normalem, selbstbestimmtem Leben und sprach von Willkür, Gewalt und systematischer Entwürdigung. Sie forderte, historische Orte nicht nur zu bewahren, sondern zu verstehen und an kommende Generationen weiterzugeben. Der Generalkonsul der Französischen Republik, Nicolas Bergeret, mahnte, Gedenkorte und Archive könnten dem Missbrauch durch Geschichtsfälscher entgegenwirken und so Verantwortung für die Gegenwart übernehmen. Er betonte, dass Vergessen keine Option sei.

Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl wies auf die Herausforderung des fortschreitenden Verlusts von Zeitzeugen hin. Zugleich mahnte er, zeitgemäßes Gedenken müsse neben der ehrenden Würdigung der Opfer auch die Benennung der begangenen Verbrechen und der Täterschaft umfassen. Die Gedenkstunde schloss mit einer Kranzniederlegung.

Besuchsmöglichkeiten

Die Gedenkstätte ist an Samstagen von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Rundgänge können beim Stadtarchiv angefragt werden.

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