Freitag, 23.01.2026

Manfred Beilharz übergibt seinen künstlerischen Vorlass an das Stadtarchiv Wiesbaden

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Der frühere Theaterintendant Manfred Beilharz hat seinen beruflichen Vorlass der Landeshauptstadt Wiesbaden geschenkt. Der Schenkungsvertrag wurde am Donnerstag, 22. Januar, im Kulturdezernat in Anwesenheit von Kulturdezernent und Stadtkämmerer Dr. Hendrik Schmehl sowie Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg unterzeichnet. Mehr als dreißig Kisten mit Material sollen in den kommenden Wochen ins Stadtarchiv überführt werden.

Stationen und berufliche Bilanz

Beilharz blickt auf mehr als fünfzig Jahre im Theaterbetrieb zurück. Nach einem Studium der Germanistik, Rechtswissenschaft und Theaterwissenschaft sowie einer Promotion in Theater und Urheberrecht begann er seine Laufbahn als Regieassistent an den Kammerspielen in München. 1967 wechselte er ins Ruhrgebiet nach Castrop Rauxel, wo er Oberspielleiter und Chefdramaturg am Westfälischen Landestheater wurde. Mit 30 Jahren übernahm er seine erste Intendanz am Landestheater in Tübingen.

Weitere Stationen waren Freiburg, Kassel und Bonn. In Bonn leitete er ab 1991 zunächst das Schauspiel und ab 1997 als Generalintendant das vereinigte Theater der Bundesstadt. 2002 wechselte Beilharz zum Hessischen Staatstheater Wiesbaden, das er mehr als ein Jahrzehnt prägte. Internationales Engagement begleitete seine Arbeit stets. Von 2002 bis 2008 war er Weltpräsident des Internationalen Theaterinstituts der Unesco, dem er seit 1993 angehört. Heute ist er dessen Ehrenpräsident.

Beilharz hat mehrere Festivals initiiert, darunter die Biennale Neue Stücke aus Europa, das Theaterfestival Freiburg sowie thematisch orientierte Festivals zu Theater aus der Sowjetunion nach Perestrojka und Glasnost. Für seine Verdienste wurde er unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, dem Stanisław Ignacy Witkiewicz Preis, der Goethe Plakette, dem Hessischen Verdienstorden und der Ehrenplakette der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet.

Inhalt und Bedeutung des Vorlasses

Erste Kontakte zwischen Beilharz und dem Stadtarchiv bestanden bereits 2019. Der übergebene Vorlass umfasst Materialien aus allen Stationen seiner Laufbahn, darunter Programmhefte, Fotos, Spielzeitprogramme, Inszenierungsskizzen, Briefe an Rechtsträger, sonstige Korrespondenzen und Presseausschnitte. Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg betont, dass der Bestand nicht nur die Intendanz in Wiesbaden dokumentiert, sondern die internationale Ausrichtung einer außergewöhnlichen Theaterkarriere sichtbar macht.

Dokumente zu Gastspielen und Festivalaktivitäten sind nach Auskunft des Archivs besonders zahlreich. Beilharz hatte angekündigt, dass der Vorlass Beispiele für seine Bemühungen um internationale Öffnung enthalte. Während seiner Zeit in Wiesbaden wurden Theaterproduktionen unter seiner Leitung unter anderem nach China eingeladen und in mehreren europäischen Ländern gezeigt.

Ein besonderes Objekt und persönliche Erinnerungen

Zur Unterzeichnung brachte Beilharz ein besonderes Stück mit: ein Schofar, ein altes israelisches Blasinstrument aus Antilopenhorn. Das Instrument war ein Geschenk der damaligen Intendantin der New Israeli Opera in Tel Aviv, Hanna Munitz, nach einer gemeinsamen Produktion von Alban Bergs Wozzeck, die Beilharz 2005 in Tel Aviv inszenierte. Die Produktion wurde dort mehrfach aufgeführt und war nach Angaben Beilharz sehr erfolgreich.

Bei der kleinen Zeremonie erzeugte der 87 Jahre alte Vorlassgeber auf heitere Weise einen Ton aus dem Schofar. Zugleich wies Beilharz auf die veränderten politischen Verhältnisse in Teilen Europas und im Nahen Osten hin und machte sich für einen erneuten Schwerpunkt auf internationalen Austausch im künstlerischen Bereich stark. Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl erklärte, die Stadt sei dankbar, dass Beilharz das Stadtarchiv für die dauerhafte Aufbewahrung seines Vorlasses ausgewählt habe.

Ausblick für Forschung und Öffentlichkeit

Das Stadtarchiv Wiesbaden wird die Unterlagen aufbewahren und für die wissenschaftliche Arbeit zugänglich machen. Die übernommenen Bestände erlauben nach Einschätzung der Beteiligten Einblicke in programmatische Entscheidungen, internationale Kooperationen und die Festivalarbeit eines Theatermanagers, der über Jahrzehnte die bundesdeutsche Theaterlandschaft mitgeprägt hat.

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