Montag, 09.02.2026

Hans Erwin Steinbach: Hanauer Maler zwischen Krieg, Bergen und abstrakter Arbeit

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Hans Erwin Steinbach, geboren am 15. Februar 1896 in der Kastanienallee 27 in Kesselstadt, rückt in jüngerer Zeit verstärkt in den Blick der regionalen Kunstforschung. Seine Lebensgeschichte verbindet Kriegserfahrungen, Stationen an Kunstschulen und ein langes Schaffen, das von figurativen Landschaften zu lyrischer Abstraktion und Grafik führte.

Ausbildung und Lebensweg

Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen, skizziert Steinbachs frühen Werdegang: Kurz nach Beginn eines Studiums an der Kunstgewerbeschule in Dresden wurde Steinbach 1915 zum Ersten Weltkrieg eingezogen. Nach Einsätzen an der Ostfront und an der Westfront kehrte er 1920 aus französischer Gefangenschaft zurück. In den folgenden zwei Jahren setzte er seine Ausbildung an der Städelschule in Frankfurt am Main und an der Kunstakademie in München fort.

1923 ließ sich Steinbach in Gießen als freischaffender Landschafts- und Porträtmaler nieder. Er heiratete Maria Kübel. 1933 zog das Paar ins Allgäu, wo sie eine Gästepension betrieben und eine Familie gründeten. Um den Lebensunterhalt zu sichern, hielt sich Steinbach wiederholt an der Nordsee zum Malen auf. Er starb am 13. November 1971 in Seeg im Allgäu.

Künstlerische Entwicklung und Rezeption

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sich Steinbach verstärkt der lyrischen Abstraktion und der Grafik zu. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und sind in öffentlichen Sammlungen vertreten, unter anderem auch in Hanau. Für sein Werk erhielt er mehrere Kunstpreise der Stadt Kempten und die Ehrenmitgliedschaft der Hans Thoma Gesellschaft Reutlingen.

Persönliche Erfahrungen prägten seine Kunst. Die Zeit im Krieg und in Gefangenschaft veränderte ihn nach Einschätzung seiner Biografen. Die Natur und Rückzüge in stille Landschaften spielten eine große Rolle in seinem Schaffen. Neben Bildern verfasste Steinbach Gedichte und Epigramme, die seine Reflexionen über Kunst und Leben dokumentieren. Ein Beispiel lautet: „Hör ich das Mondlicht singen und bin doch nur Maler. Wie muss es dem Musiker klingen.“

Nachlass und jüngere Aufarbeitung

Nach seinem Tod ordnete seine Witwe Briefe und Tagebuchaufzeichnungen. Aus diesem Material stellten Tochter Hinrika und Schwiegersohn Horst Lex ein 92 Seiten umfassendes Buch mit dem Titel „Überleben mit Kunst“ zusammen. Das Buch ist unter der ISBN 9783000840838 erschienen und kostet 17,50 Euro.

Die Museen Hanau stellen Steinbach als Objekt der Woche vor. Auf der Internetseite museen-hanau.de wird jeden Montag ein neues Objekt präsentiert; dabei werden lokale Künstler und Besonderheiten der Stadt in Bild und Text dokumentiert.

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