Die Stadt Hanau hat die Grabstätte der Puppenmuseumsgründerin Gertrud Rosemann auf dem Hauptfriedhof zur Ehrengrabstätte erhoben. Nach Angaben der Stadt erfolgt die Erhebung auf Grundlage der Richtlinie zur Anerkennung von Ehrengräbern. Die Kommune übernimmt damit die Pflege und Unterhaltung der Grabstätte.
Entscheidung und Begründung
Oberbürgermeister Claus Kaminsky würdigte Rosemann als eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die Hanau in den Bereichen Kultur, bürgerschaftliches Engagement und internationale Verständigung nachhaltig geprägt habe. Stadträtin Isabelle Hemsley betonte, Rosemann habe mit ihrem Einsatz dauerhafte kulturelle Strukturen geschaffen und über Generationen hinweg Menschen verbunden. Die Stadt begründet die Auszeichnung damit, das Andenken an ihr Lebenswerk dauerhaft zu erhalten.
Lebensweg und Aufbau des Puppenmuseums
Gertrud Rosemann wurde 1922 in Kettwig geboren und wuchs in Wuppertal auf. Nach dem Studium in Koblenz legte sie 1943 das Staatsexamen ab und war als Lehrerin in Ostpreußen und Masuren tätig. 1945 schloss sie sich einem Flüchtlingstreck an und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach ihrer Rückkehr kehrte sie 1949 in den Schuldienst zurück und unterrichtete bis zu ihrer Pensionierung 1985 in Frankfurt am Main.
1983 gründete Rosemann das Hessische Puppenmuseum im Arkadenbau der historischen Kuranlagen Wilhelmsbad. Das Haus entwickelte sich zu einem Ort kultureller Bildung und bürgerschaftlichen Engagements. Über das Museum knüpfte Rosemann 1989 Kontakte zur japanischen Stadt Tottori. Aus einer Ausstellung ging 1995 das Spielzeugmuseum Warabe kan in Tottori hervor. Die Zusammenarbeit der Museen trug 2001 zur offiziellen Städtepartnerschaft zwischen Hanau und Tottori bei.
Würdigung, Auszeichnungen und Nachlass
Als Rosemann 1997 die Leitung des Museums übergab, wurden ihr rund 66.700 ehrenamtliche Arbeitsstunden für die Institution zugeschrieben. Sie veröffentlichte zahlreiche Texte zu Ausstellungen und erhielt mehrere Auszeichnungen. Dazu zählen der Kulturpreis des Main Kinzig Kreises, die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die Goldene Ehrenplakette der Stadt Hanau, der Freundschaftspreis für die Beziehungen zwischen Deutschland und Japan der Robert Bosch Stiftung sowie ein japanischer Kaiserorden. Die Stadt Tottori ehrte sie mit einer außerordentlichen Ehrenbürgerurkunde, eine Auszeichnung, die zuvor vorwiegend an Politiker vergeben worden war. Gertrud Rosemann starb 2023 im Alter von 100 Jahren.
Mit der Ernennung der Grabstätte zur Ehrengrabstätte erklärten die städtischen Verantwortlichen, dass Hanau auf diese Weise dauerhafte Anerkennung und Dankbarkeit für Rosemanns Wirken dokumentieren wolle.
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