Freitag, 06.02.2026

Hanau erklärt die Grabstätte von Richard Estler zum Ehrengrab und übernimmt deren Pflege

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Die Stadt Hanau hat die Grabstätte des Malers und Lehrers Richard Estler auf dem Friedhof Kesselstadt als Ehrengrab anerkannt. Die Kommune übernimmt damit die Pflege und Unterhaltung der Grabstätte, obwohl dort weiterhin Angehörige beigesetzt werden und das Nutzungsrecht bis 2029 läuft.

Entscheidung und Bedeutung

Die Erhebung der Grabstätte in den Rang eines Ehrengrabes erfolgt nach der städtischen Richtlinie zur Anerkennung von Ehrengräbern. Oberbürgermeister Claus Kaminsky bezeichnete die Maßnahme als Würdigung einer herausragenden Persönlichkeit der Hanauer Kunst und Stadtgeschichte und betonte, Estlers Wirken reiche weit über die Stadt hinaus. Stadträtin Isabelle Hemsley wies darauf hin, dass mit dem Ehrengrab das Andenken an einen Künstler und Pädagogen lebendig gehalten werde, dessen Lebenswerk durch die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts geprägt worden sei.

Leben, Wirkung und Karriere

Richard Estler wurde am 28. September 1873 in Dresden geboren und starb am 27. Dezember 1952 in Frankfurt am Main. Seine künstlerische Ausbildung begann an der Gewerbeschule in Dresden; von 1892 bis 1898 studierte er an der Kunstgewerbeschule Dresden. 1901 berief ihn Professor Max Wiese an die Königliche Zeichenakademie in Hanau, 1921 erhielt Estler dort den Professorentitel.

Estler arbeitete als Zeichner, Aquarellist, Holzschnittkünstler und Maler in Öl. Er bevorzugte Motive wie Landschaften, Naturdenkmale und Altstadtansichten aus Dresden, Frankfurt und Hanau. Seine Arbeiten wurden regelmäßig in Ausstellungen im Rhein Main Gebiet sowie in München und Berlin gezeigt und befinden sich heute überwiegend in Privatbesitz. Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählten unter anderem Louis Wahn, Bernd Oehmichen, Theodor Schäfer, Hans Fehlhaber und Clara Ewald Weinhold.

Politische Repression und Rückkehr an die Akademie

Wegen seiner Mitgliedschaft in der Loge „Braunfels zur Dreieinigkeit“ geriet Estler in Konflikt mit den Nationalsozialisten. Ende 1934 wurde er vorzeitig und mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand versetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er für kurze Zeit an die Staatliche Zeichenakademie Hanau zurück.

Grabstätte und rechtliche Regelung

Die als Ehrengrab anerkannte Anlage ist ein zweistelliges Erdwahlgrab auf dem Friedhof Kesselstadt. Die Stadt Hanau übernimmt die Pflege und Unterhaltung der gesamten Grabstätte. Da weiterhin Familienangehörige dort beigesetzt werden und die Nutzungszeit aktuell bis 2029 läuft, traf die Kommune eine besondere Regelung, die die vorzeitige Übernahme der Pflege erlaubt.

Mit der Entscheidung dokumentiert Hanau die Absicht, sowohl das künstlerische Erbe Estlers als auch seine Rolle als Lehrer und Zeitzeuge offiziell zu würdigen.

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